Valerie Layton

Letter From Edith G. (7-15-1939)

Year:
1939
Language:
German
Origin:
Netherlands
Keywords:
Edith, Valerie, Layton, 1939, Letter, Illness, Address, Photo

About The Letter - 

In this letter, Edith G. writes again to Valerie. Edith's old address has been demolished and, through some trickery, gives Valerie the new one. She asks about Valerie's mother-in-law and gives her another photo, possibly of her new home. 

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Edith G. Letter 07-15-1939  - Transcript

Contents Inside Envelope:

15th July 1939

Stockholm, den 15. Juli 1939.

S :t Erikgatan 4 I

Tel. 50-84-05

 

Liebe Vally:

 

Nun glauben Sie gewiss, dass auch Ihr Brief nicht angekommen ist. Ich war zu Mittsommer in Dalekarlien, wo es leider sehr viel regnete. Sonst wird dort die Sonnenwende besonders festlich gefeiert. Der kronprinz mit Frau und jüngstem Sohn war auch gerade dort. Aber selbst das konnte die Wettermächte night milde stimmen. 

Jetzt werde ich das Geheimis mit der Adress entschleiern. Kungsholmsgatan 68, wo ich früher wohnte, liegt an der Ecke von Sankt Eriksgatan und ist jetzt abgerissen. Der Poststemple verdeckte die Strassennummer von S :t Eriksgatan, so dass die Post den Eindruck bekam, es handelte sich um meine alte Adresse vor allem, da wir hier zu Lande wie in Deutschland die Strassennummer hinternach setzen. - Sie erinnern sich vielleicht noch, wie ich mich damit in London blamierte, als ich Sie im Büro aufsuchen wollte. Da verwechselte ich Strassennummer mit Stadtbezirksummer. 

Also meine Adresse ist ganz einfach Sankt Eriksgatan Nr. 4, 1 Tr. Telephonnummer privat ist 50-84-05. Falls Sie nun wirklich nach Stockholm kommen sollten, hoffe ich Sie zu treffen, Gerade jetzt sind Handwerker im Hause beschäftigt, aber ich glaube, dass sie nächste Woche fertig sein werden. Dann werden wir Punsch kühlen und eine Tasse Kaffee anbieten. Also herzlich willkommen. 

 

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Hoffentlich werden Sie nicht gar zu sehr enttäuscht, denn wenn man viel im voraus erfahren hat, macht man sich Illusionen. 3 Wochen lang war das Wetter regnerisch, aber daran sind Sie ja in London gewöhnt. 

Wie geht es Ihrer Frau Mutter jetzt? Hoffentlich ist sie nun wieder ganz hergestellt. Solche Unruhe zehrt sehr an den Kräften aller Nahestehenden. Da hilft kein Vernünftig sein wollen, man ängstigt sich  trotz alledem. Es hat schon etwas an sich, das mit dem Allein sein. So lange wie man arbeitsfähig ist, kommt man kaum zum Nachdenken, aber wie wird es später sein? Und doch sieht man überall wie die Ehen in die Brüche gehen. Die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen, hat die Mädels sicherer gemacht, sie sehen nicht zum Manne auf wie zu einem Gott. Nur darf das dann auch wieder nicht übertrieben werden. Es gibt doch vieles in einer Familie, was man sich nicht mit allem Geld in der Welt erkaufen kann und wefür man gern Jahre seins Lebens hingeben würde. Das sind die Tiefenerlebnisse. Nun das muss ein jeder mit sich selbst abmachen, da kann man weder raten noch helfen. Die Ansichten sind so verschieden wie die [Menschen.

Das Bildchen ist reizend. Sie haben sich also nun ganz modern eingerichtet: Wie ist es überhaupt mit dem Häuserkauf] geworden?

Wenn Sie kommen sollten, geben Sie mir vielleicht noch ein Lebenszeichen? Mein eigner Urlaub fällt erst in den September dieses Jahr. Wohin weiss ich noch garnicht, denn es ist ja alles so unsicher in der Welt wie im engen Kreise. Allein mal ganz frei zu sein nach so viel anstrengender Arbeit ist herrlich. Hochkonjunktur ist schon all right, aber sie hat ihre Schattenseiten, die meist den Arbeitern und Angestellten besonders gut bekannt sind.

Viele herzliche Grüsse einsweilen und auf Wiedersehen.

 

Ihre Edith B.[?]  (Signature)